Open Source in Schulen: Was es wirklich kostet — und was es spart
Die Lizenzkosten sind nur die Spitze des Eisbergs. Eine ehrliche Rechnung darüber, was proprietäre Schulsoftware kostet und warum Open Source langfristig die vernünftigere Wahl ist.
„Open Source ist kostenlos” — diesen Satz hören IT-Verantwortliche in Schulen oft, und er stimmt so nicht. Was stimmt: Open Source kann erheblich günstiger sein als proprietäre Alternativen, aber der Unterschied liegt nicht dort, wo die meisten ihn vermuten.
Was proprietäre Lösungen wirklich kosten
Wenn Schulen und Schulträger über Softwarekosten sprechen, denken sie zuerst an Lizenzgebühren. Das ist nachvollziehbar — und irreführend.
Die tatsächlichen Kosten einer proprietären Schulsoftware setzen sich zusammen aus:
1. Lizenzkosten Typisch: 8–25 Euro pro Nutzer und Jahr. Bei einer Schule mit 800 Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften: 6.400–20.000 Euro jährlich. Für einen Schulträger mit 20 Schulen: 128.000–400.000 Euro. Jährlich, unbegrenzt, mit regelmäßigen Preissteigerungen.
2. Migrationskosten bei jedem Anbieterwechsel Proprietäre Systeme exportieren Daten ungern vollständig. Wenn Sie nach fünf Jahren wechseln möchten, zahlen Sie erneut: für Datenmigration, Schulungen, Anpassungen. Das ist kein Versehen — es ist Geschäftsmodell.
3. Schulungskosten Jedes Update, das die Oberfläche verändert, bedeutet Schulungsaufwand. Dieser fällt mit Open Source genauso an — aber er bleibt innerhalb Ihrer Kontrolle, weil Sie entscheiden, wann Updates ausgerollt werden.
4. Versteckte Abhängigkeiten Ein LMS, das gut mit dem Videokonferenzanbieter integriert ist, der gut mit dem E-Mail-Anbieter integriert ist — alles vom gleichen Hersteller. Wer einen Vertrag kündigt, verliert die Integration. Das nennt sich Ecosystem Lock-in, und es ist teuer.
Was Open Source wirklich kostet
Ehrlich gesagt: Open Source ist nicht umsonst. Es braucht:
- Administration: Jemand muss die Server betreiben, Updates einspielen, Backups überwachen. Das kann intern sein oder extern eingekauft werden.
- Einführungsaufwand: Eine neue Plattform einzuführen kostet Zeit und Schulungen, unabhängig davon, ob sie quelloffen ist oder nicht.
- Gelegentliche Anpassungen: Wenn eine Schule spezifische Anforderungen hat, können diese umgesetzt werden — anders als bei proprietärer Software, die Sie nehmen oder lassen müssen.
Der entscheidende Unterschied: Diese Kosten sind einmalig oder planbar. Sie steigen nicht jährlich, weil ein Anbieter die Preise erhöht. Sie sind nicht gebunden an einen Lock-in. Und sie bauen auf einer Infrastruktur auf, die Ihnen gehört.
Der Total Cost of Ownership — ein ehrlicher Vergleich
Für einen mittelgroßen Schulträger (10 Schulen, ca. 5.000 Nutzer) über fünf Jahre:
| Posten | Proprietär | Open Source |
|---|---|---|
| Lizenzkosten | 200.000–500.000 € | 0 € |
| Betrieb & Hosting | 50.000–80.000 € | 60.000–90.000 € |
| Einführung & Schulung | 20.000–40.000 € | 25.000–45.000 € |
| Migration/Lock-in-Ausstieg | schwer kalkulierbar | entfällt |
| Gesamt (5 Jahre) | 270.000–620.000 € | 85.000–135.000 € |
Die Bandbreite ist groß, weil sie stark vom gewählten Anbieter, der Schulkomplexität und der bestehenden Infrastruktur abhängt. Aber die Größenordnung des Unterschieds ist konsistent: Open Source ist über fünf Jahre typischerweise 50–75 % günstiger.
Was die Lizenzkosten-Rechnung vergisst
Die reinen Zahlen zeigen nur einen Teil des Bildes. Was sie nicht zeigen:
Verhandlungsmacht. Wer auf Open Source setzt, kann jederzeit den Betreiber wechseln, ohne die Daten zu verlieren. Das verändert die Machtbalance in Verhandlungen fundamental. Anbieter von Managed Open Source Services wissen das — und kalkulieren ihre Angebote entsprechend.
Planungssicherheit. Open-Source-Lizenzen ändern sich nicht. AGPLv3 ist AGPLv3. Kein Vendor kann die Konditionen einseitig anpassen, weil er sein Geschäftsmodell überarbeitet.
Community und Qualität. Software, die von vielen Schulen und Administratoren genutzt und verbessert wird, profitiert von kollektivem Wissen. Bugs werden schneller gefunden, weil mehr Augen auf den Code schauen. Sicherheitslücken werden öffentlich diskutiert — und behoben, nicht vertuscht.
Das Argument “wir haben kein IT-Personal”
Dieses Argument hören wir oft. Es ist berechtigt — und es ist kein Gegenargument zu Open Source, sondern ein Argument für regionale Kooperation.
Kein einzelner Schulträger muss die Infrastruktur für 20 Schulen alleine betreiben. Kommunale Rechenzentren, Landesnetzwerke und spezialisierte Dienstleister übernehmen genau diese Aufgabe — auf Open-Source-Basis, mit transparenten Verträgen und ohne Herstellerabhängigkeit.
Das Modell existiert: In Ländern wie Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt es Dutzende kommunaler IT-Zusammenschlüsse, die genau so arbeiten. Sie zahlen für den Service, nicht für die Software.
Fazit
Open Source ist kein Ideologieprojekt. Es ist eine wirtschaftlich vernünftige Entscheidung für Schulträger, die langfristig denken.
Die Frage ist nicht “Können wir uns Open Source leisten?” sondern “Können wir uns den dauerhaften Aufwuchs proprietärer Lizenzkosten leisten — bei gleichzeitig wachsender Abhängigkeit von Anbietern, die nicht in unserem Interesse handeln?”
Die Antwort ist in den meisten Haushalten eindeutig.
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Maximilian Schauer